Gebiet und Erbe

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Jahrhundertelang war die Region von Grasse, je nach Epoche, in Form einer Viguerie (einer mittelalterlichen juristischen Instanz), einer Diözese, eines Distrikts oder Kantons vereinigt und prägt auch heute noch die Mentalität der verschiedenen auf ihrem Territorium lebenden Bevölkerungsgruppen. Sie teilen dieselbe Geschichte, dieselbe Kultur, Familienbande und gemeinsame wirtschaftliche Interessen.

Die Stadt Grasse stellt als Hauptort des westlichen Teils der Alpes-Maritimes und als Hauptstadt des östlichen Teils der Provence das Herz dieser Region dar. Und ihre Geschichte ist untrennbar mit der Geschichte der Region verbunden.
Gehen wir nun in der Zeitrechnung zurück, um die Entwicklung der Region um Grasse im Laufe der Jahrhunderte zu entdecken.
Schon in der Antike entsteht ein bedeutendes Wegenetz unter der Herrschaft von Augustus und zeugt vom Austausch der Stadt Grasse mit seinem Umland. Und dieses Netz spielt eine entscheidende Rolle für das wirtschaftliche und politische Leben der Region.
Im Mittelalter wird Grasse zu einem wahrhaften Wegekreuz.
Von Osten nach Westen von der Strasse durchquert, die Fayence mit Nizza verbindet, ist Grasse auch mit den Küstenstädten Cannes und Mandelieu im Süden und mit Séranon und Castellane im Norden verbunden, zwei Orte, in denen Wegegebühr verlangt wurde und Messen stattfanden. Diese Verbindungswege zeugen von der wirtschaftlichen Vitalität von Grasse in dieser Zeit und ihrem rege unterhaltenen Austausch mit dem Umland. Die wirtschaftliche Entwicklung stützte sich damals auf den Stoffhandel und dem Präparieren von Leder. Als damals parfümierte Lederhandschuhe in Mode kamen, spezialisierten sich die Gerber aus Grasse auf diesen Handwerkszweig. Während der Revolution bedingt die starke Zunahme der Steuern auf Lederwaren das Ende dieses Gewerbes. Nun nehmen die Parfümhersteller den Platz der Gerber ein. Zum Aufschwung und der Entwicklung dieser neuen Aktivität werden Blumenkulturen auf dem gesamten Umland gepflanzt. Auf einem Teil des Kulturlandes wird der Anbau von Nährpflanzen eingestellt und durch den Anbau von Parfümpflanzen ersetzt. In Grasse, Mouans-Sartoux, Auribeau-sur-Siagne, Peymeinade, La Roquette-sur-Siagne, Pégomas werden Jasmin, Nachthyazinthe und Rosen angebaut. In den höher gelegenen Regionen, in Gourdon, Cipières und Escragnolles, wird feiner Lavendel geerntet und Schafsmist, migon genannt, gesammelt, der für das Pflanzen von Jasmin ein unverzichtbarer Dünger ist. Überall überdecken gefüllte Veilchen, Victoria-Veilchen, Narzissen und Hyazinthen die Wurzeln der Olivenbäume. Die Blumenkulturen und die Parfümindustrie erleben ab dem 18. Jahrhundert einen schnellen Aufschwung und werden zum Hauptgewerbe der Region um Grasse bis hin zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Dank chemischer und industrieller Fortschritte ist die Industrie in Grasse heute sehr vielfältig, sie hat sich der Kräuter-und Kosmetikkunde sowie der Feinchemie zugewendet.
Nach einem grossen Aufschwung zu Beginn, sind die Blumenkulturen heute, infolge der Globalisierung fast verschwunden. Heute ist die Mimose zum wichtigsten Blumenprodukt der Region geworden. Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts beginnt sich der Tourismus zu entwickeln. Die Gemeinden der Region um Grasse werden zu berühmten Winter-und Sommerurlaubsorten. Das Klima, örtliche Feste, Kunst, Gastronomie und Hotels der Region werden in Werbezeitungen angepriesen. Nach und nach öffnen sich Parfümfabriken für die Besucher, Busrundfahrten werden angeboten und man organisiert Ausflüge nach Saint Vallier-de-Thiey, Cabris, Gourdon, nach Mouans-Sartoux, Saint-Cézaire-sur-Siagne und in die Loup-Schluchten. Glücksspieler und Publikum strömen ins Spielkasino und das Theater von Grasse. Während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bedingt der rasende Aufschwung des Badetourismus bedeutende städtebauliche Veränderungen in den Küstenstädten. Weit entfernt vom Tumult an der Küste, entwickelt sich im Hinterland der Region ein Öko- und Kulturtourismus. Dorfhäuser, Landhäuser ( Bastiden), Bauernhäuser (mas), Mühlen, öffentliche Waschplätze, Sakralbauten, Terrassen mit Kulturpflanzen, Wege, Brücken, neolithische Grabstätten, castellaras und geologische Besonderheiten sind Zeugen des reichen Kulturerbes der Region Grasse. Die thematischen Rundfahrten, die wir Ihnen anbieten, laden Sie dazu ein, diese zu entdecken und sie auch weiter zu empfehlen !